Stahl-Zentrum

Aus Windkraft wird Wasserstoff

Die Salzgitter Flachstahl GmbH, die Linde AG und die Avacon Natur GmbH haben einen Kooperationsvertrag für das gemeinsame Innovationsprojekt „Windwasserstoff Salzgitter“ unterzeichnet. Die Partner wollen damit einen bedeutenden Schritt in Richtung einer wasserstoffbasierten Industrie vollziehen – und die CO2-Emissionen bei der Stahlherstellung reduzieren.
 
Ziel des Vorhabens ist es, in Salzgitter Wasserstoff mittels Elektrolyse und Strom aus Windkraft zu erzeugen. Damit soll eine wichtige Grundlage für den zukünftigen Einsatz größerer Mengen an Wasserstoff zur Verringerung direkter CO2-Emissionen bei der Stahlherstellung geschaffen werden.

Sieben Windkraftanlagen
Salzgitter Flachstahl plant den Bau und Betrieb einer PEM-Elektrolyseanlage (PEM = Protonen Exchange Membran) mit einer Kapazität von rund 400 N.m³/h. Avacon beabsichtigt, auf dem Gelände des Salzgitter-Konzerns sieben Windkraftanlagen mit einer Leistung von 30 Megawatt zu errichten und zu betreiben, von denen sich drei auf dem Areal des Hüttenwerks befinden.

Der Industriegaslieferant Linde wird die kontinuierliche Versorgung des Wasserstoffbedarfs absichern. Die Kosten für das gesamte Projekt (Aufbau der Windkrafträder und der Wasserstoffanlagen inklusive deren Einbindung in die bestehenden Leitungsnetze) belaufen sich auf rund 50 Millionen Euro. Zur Finanzierung dieses industriellen Klimaschutzprojektes werden auch Fördermittel benötigt. Bei einem reibungslosen Projektablauf könnte die Wasserstofferzeugung auf dem Werksgelände 2020 beginnen.

Im Rahmen dieses Projektes wollen die Partner Know-how für eine klimafreundliche Wasserstofferzeugung aufbauen sowie Erfahrungen mit der Vor-Ort-Produktion von Wasserstoff und dessen Einbindung in ein integriertes Hüttenwerk mit seinen komplexen Produktionsprozessen sammeln.


CO2-Emissionen senken

Schon heute wird in der Stahlherstellung bei Glühprozessen Wasserstoff verwendet, den Linde anliefert. Darüber hinaus bietet der Einsatz von Wasserstoff in Hüttenwerken das Potential, die prozessbedingten CO2-Emissionen der Stahlerzeugung künftig signifikant zu verringern.
Zur Erreichung dieses Ziels hat die Salzgitter AG das Projekt SALCOS (Salzgitter Low CO2 Steelmaking) konzipiert, das einen realistischen Weg zu einer schrittweisen CO2- Reduzierung, langfristig sogar zu einer fast CO2-freien Stahlherstellung aufzeigt. Dabei soll auf Basis regenerativer Energien erzeugter Wasserstoff den bislang für die Verhüttung von Eisenerzen erforderlichen Kohlenstoff ersetzen.

Betriebserfahrung
Mit diesem Projekt will Salzgitter Flachstahl Betriebserfahrung in dem für SALCOS wichtigen Themenbereich „Wasserstoff aus erneuerbaren Energien“ sammeln, auf der später eine Umsetzung in großindustrielle Maßstäbe fußen könnte. Obwohl die heutigen Rahmenbedingungen noch keinen wirtschaftlichen Betrieb einer direkten Kopplung von Windstromerzeugung und Elektrolysebetrieb ohne Förderung ermöglichen, sind die drei Partner entschlossen, diese für die Zukunft bedeutsame, klimaschonende Technologie weiterzuentwickeln.
Prof. Dr.-Ing. Heinz Jörg Fuhrmann, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG: „Wasserstoff wird zukünftig in der Mobilität, der Energiegewinnung und -speicherung sowie vielen weiteren industriellen Prozessen maßgebliche Bedeutung erlangen. Wie mit unserem SALCOS-Projekt aufgezeigt, sind wir technologisch in der Lage, mittels Wasserstoff signifikante CO2-Reduzierungen zu erzielen und betrachten das Projekt „Windwasserstoff Salzgitter“ als einen bedeutenden Baustein auf diesem Weg in eine klimafreundlichere Stahlproduktion.“
 

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